AG Geige

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Band aus Karl-Marx-Stadt (Chemnitz), 1986 bis 1993.

Frank Bretschneider, Torsten Eckhardt, Jan und Ina Kummer gründeten AG.Geige (anfänglich exakte Schreibweise, das „AG“ steht für „Arbeitsgemeinschaft") als experimentelles Kunstprojekt. Die Band spielte von elektronischen Elementen geprägte Musik mit dadaistischen Texten und verstand sich hierbei als multimedial agierend - auf ihren Konzerten setzte AG.Geige auf eigene Videos und Grafiken und trat in phantasievollen Kostümen auf. Dass sie keine "echten" Musiker waren wurde von der Band offen eingestanden. In der Vorwendezeit konnte sich AG.Geige über Nischen der Jugendkultur wie z.B. den Sender DT64 ein erstes Publikum erspielen, litt jedoch zu dieser Zeit auch unter den begrenzten Möglichkeiten innerhalb der DDR, die sich auch in technischer Hinsicht niederschlugen. 1989 gab es mit Die Atominoes noch ein Seitenprojekt in gleicher Besetzung, mit dem Rock-Klassiker von Led Zeppelin, Pink Floyd uns anderen im AG.Geige-Stil verfremdet gecovert wurden. "Atomino" war ein Comic-Superheld aus der italienischen kommunistischen Tageszeitung "L'Unita" der 1960er Jahre, der durch seine Adaption für die DDR-Kinderzeitschrift "FRÖSI" (zwischen 1964 und 1983) hier Kultstatus erlangte. Jan Kummer ließ den Namen 1999 für seinen Chemnitzer Indie-Club "Atomino" wieder aufleben, auch das Label Atomino Tonträger (seit 2015) bezieht sich darauf.
Nach der Wende trat die Band in ganz Deutschland (u.a. auf der Popkomm) und auch in der Schweiz auf. Das größte Konzert fand 1991 im Rahmen des dritten internationalen Artrock-Festivals in Frankfurt am Main statt. Zu diesem Zeitpunkt fand die AG.Geige auch die Beachtung diverser Szenezeitschriften wie z.B. Zillo, die Chemnitzer Tageszeitung "Freie Presse" bezeichnete die Band als die bekannteste der Stadt. Selbst die BRAVO berichtete über die Gruppe in einem Sammelartikel über die "neuen wilden Bands" aus dem Osten.
Hatte die Band ihr Erstlingswerk "Yachtclub & Buchteln" noch auf MC herausgebracht (es wurde 1996 auf CD wiederveröffentlicht), nahm das DDR Label Amiga den im Jahr 1989 zunächst ebenfalls auf Kassette veröffentlichten Nachfolger "Trickbeat" 1990 in teilweise veränderter und neu aufgenommener Form in ihr Repertoire auf. Die Band war in den folgenden Jahren auch auf diversen Samplern vertreten und veröffentlichte 1991 ihr Album "Raabe?" auf dem Spandauer Label Traumton. 1992 erschien mit "Von Fröschen und Träumen" im Verlag Weisser Stein eine Sammlung von Songtexten und Grafiken. 1993 löste sich die Band jedoch überraschend auf, obwohl im gleichen Jahr das Erscheinen eines vierten Albums (Yachtclub & Buchteln mitgezählt) bis zum Jahresende angekündigt worden war. Dieses Album mit dem Arbeitstitel "AG Geige 3" wurde fertig produziert, erschien jedoch nie, sondern tauchte erst Jahre später im Internet und in Fankreisen auf. Die Musik war nun energetischer und sperriger, textlich und produktionstechnisch wurde dagegen an die Vorgänger angeschlossen.
Frank Bretschneider und Olaf Bender blieben nach Auflösung der Band in der Szene aktiv, u.a. mit dem EBM-orientierten Musikprojekt Machinehead und gründeten 1995 das Label Rastermusic, welches 1999 mit Noton zu Raster-Noton fusionierte.
Die Söhne von Jan und Ina Kummer, Felix und Till, gründeten 2009 in Chemnitz die erfolgreiche Indie-Rockband Kraftklub, ca. 2014 folgten deren jüngere Schwestern Nina und Lotta mit dem Indie-Pop-Trio Blond.
Torsten Eckhardt arbeitet seit 1993 in Leipzig als bildender Künstler an Rauminstallationen unter dem Namen Till Exit.

2012 veröffentlichte der Regisseur Carsten Gebhardt den Dokumentarfilm "AG Geige - ein Amateurfilm" in dem die Musiker die Geschichte der Band erzählen. In dem Film berichten weitere Zeitzeugen (ua. Ronald Galenza, Christoph Tannert, Lutz Schramm) über ihre Wahrnehmung des Projektes. Der Film präsentiert diverse Songs der Band als Original-Videos bzw. in Verbindung mit authentischem Foto- und Filmmaterial. Premiere des Films war im November 2012 beim 55. Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm / DOK Leipzig. Homepage des Films: www.aggeigefilm.de

Zum 30jährigen Jubiläum der Band veröffentlichte das Leipzig/Jenaer Major Label eine aufwändige 5xLP Box mit allen Original-LP's (inklusive der vorher nie als Vinyl erschienenen "Alben") und diversen bis dahin unveröffentlichten Aufnahmen sowie einem Tape von Machinehead unter dem Titel "Zeychen & Wunder".

Trivia: Die Band dürfte als Vorbild der Band "Trickbeat" in Thomas Brussigs Roman "Wie es leuchtet" gedient haben. Seit 2013 existiert mit der Ich-AG Geige in Leipzig sogar eine Tribute-Band als Nebenprojekt vom Brockdorff Klang Labor.

Die Band im Netz: www.aggeige.de (offline) | Wikipedia

Besetzung

Musik

Die Atominoes

Machinehead

Video

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