Der Demokratische Konsum

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"Bandkollektiv" aus Berlin, 1983 bis 1986/87.

Szeneintern auch auf DeKo oder Konsum verkürzt. Die in wechselnden Zusammensetzungen auftretende Formation begriff sich weniger als eine klassische "Band" sondern eher als dadaistisches, theoriebasiertes Künstlerkollektiv nach vage vergleichbaren Vorbildern wie Laibach sowie mit deutlicher Bezugnahme auf die "Genialen Dilletanten". Neben bewusst unperfekter Musik beinhaltete die "situationistische Inszenierung" des Demokratischen Konsum auch Super-8-Filme, Fotografie, Kunstmappen, Lyrik und die Selbststilisierung mit aus der Zeit gefallenen Bekleidung und dekontextualisierten Uniformen, sowohl innerhalb als auch außerhalb ihrer seltenen Performance-artigen Auftritte. Eine sogenannte "Konsumfibel", die etliche dieser Elemente dokumentierte, diente als Manifest ihres Handelns.
Wegen des Ausreiseantrags eines zeitweiligen Mitglieds wurde 1985 vom Ministerium für Staatssicherheit eine OPK eröffnet, die sich später auf alle Musiker bezog. Wegen diversen Auftritten im kirchlichen Rahmen wurde dem Konsum sowohl unterstellt, eine "Punkmusikformation" als auch Bestandteil der kirchlichen Opposition zu sein. Durch die Tätigkeit von IM's im Bandumfeld wurde im Oktober 1986 der Plan bekannt, sich überraschend einer sogenannten "Einstufung" zu unterziehen zu wollen. Von der Band wegen des ganz offensichtlich unerreichbaren Zieles nur als weitere "Konzert-Performance" gedacht, führte dieser Plan zu umfangreichen Stasi-Aktivitäten mit dem Ziel, eine offizielle Anerkennung in Form einer "Spielerlaubnis" unbedingt zu verhindern. Dies gelang durch die Absage des komplett vorbereiteten Einstufungskonzertes am 27. Oktober 1986, allerdings wiederholte die Band ihren Plan bereits am 11. November im Rahmen einer vorab genehmigten "Tanzveranstaltung" und bekam nun sogar eine "Mittelstufe" zuerkannt. Dass die Spielerlaubnis trotzdem nicht wirksam wurde, lag daran dass die hierzu geforderte Änderung des Bandnamens verweigert wurde. Im Verlauf des Frühjahr 1987 verliessen einige Musiker die DDR, Buschkowski wechselte zu Elektro Artist und Röder wandte sich zugunsten einer christlichen Selbstfindung ganz von der Musik ab, Der Demokratische Konsum war damit quasi aufgelöst. Nun wurde aber gegen Heiko Röder die OPK "Platte" eröffnet, unter anderem um aufzuarbeiten warum die Band trotz MfS-Intervention eine Einstufung erhalten hatte. Erst im Oktober 1988 wurde die inzwischen fast zweijährige Nichtexistenz der Band aktenkundig.

Besetzung

  • Heiko Röder - voc
  • Detlef "Deo" Buschkowski - g
  • Wolfram "Wollo" Ehrhardt - dr

später zeitweise:

  • Stefan "Steffi" Schröter - g
  • Thomas "Almö" Bautzer - g
  • Jan Bayer-Tiska - voc
  • Ralf Haubert - keyb (ex- Weiterverarbeitung)
  • Ralf Scherff - perc

Musik

Lesen

  • "Skandalgeile Dilettanten: Der Demokratische Konsum", von Christoph Tannert, in: Galenza / Havemeister 1999, S.201ff.
  • "Der Demokratische Konsum & Die Kunst der Selbstdarstellung", Interview mit Wolfram "Wollo" Ehrhardt, in: Pehlemann / Galenza 2006, S.62ff.